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Das Gymnasium Hofwil als einzigartige Bildungsinstitution

In der Zeit der Aufklärung und der Erneuerung des Bildungssystems um 1800 wurde Hofwyl unter dem Berner Pädagogen Philipp Emanuel von Fellenberg zu einer europaweit anerkannten, pädagogischen Pionierinstitution. Heute ist das Gymnasium Hofwil bekannt für seine Talentförderung und die wunderschöne Grünanlage.

Zwischen Natur und Talentförderung – das Gymnasium Hofwil heute

Umgeben von Feldern, Bauernhöfen und einem Golfpark liegt etwas ausserhalb von Münchenbuchsee, rund 10 Kilometer nördlich von Bern, das Gymnasium Hofwil. Das wunderschöne Hauptgebäude stammt aus dem beginnenden 19. Jahrhundert und überragt mit seiner Grösse die anderen Gebäuden, in denen sich Mensa, Aula und Internatshäuser befinden. Das familiäre Gymnasium zählt rund 400 Schülerinnen und Schüler, die von rund 60 Lehrkräften unterrichtet werden. 

Das Hauptgebäude des Gymnasiums Hofwil.
Das Hauptgebäude des Gymnasiums Hofwil.

Internat und Talentförderung zieht Jugendliche aus dem ganzen Kanton Bern an. Was das prächtige Hauptgebäude bereits vermuten lässt, bezeugen historische Quellen: Hofwil blickt auf eine lange pädagogische Vergangenheit, die eng mit der Entwicklung des modernen Schulsystems der Schweiz verknüpft ist. Der Ruf der Schule strahlte zu Beginn der pädagogischen Tätigkeiten um 1800 weit über die Landesgrenze hinaus.

Hofwyl auf der erzieherischen Landkarte Europas

Gleich nachdem die französischen Armeen unter Napoleons Führung in die Alte Eidgenossenschaft einmarschiert waren, erwarb 1798 der Berner Patrizier Philipp Emanuel von Fellenberg (1771-1844) das Landgut Wylhof bei Münchenbuchsee. In Hofwyl umbenannt errichtete er neben dem zwischen 1784 und 1786 erbauten Schloss zuerst einen landwirtschaftlichen Musterbetrieb, dann mehrere Schulen. 

Die Schule für Söhne höherer Stände, diejenige für den Mittelstand und die Armenschule standen gleich nebeneinander. Während die ersten zwei Bildungsinstitutionen den Söhnen wohlhabender Patrizierfamilien aus ganz Europa, aber auch dem Mittelstand eine höhere Ausbildung vermittelten, verhalf die Armenschule, auf den Einsichten von Johann Heinrich Pestalozzi (1746-1827) aufbauend, zu einer allgemeinen Volksschulbildung mit landwirtschaftlich-gewerblichen Kenntnissen.

Büste des Berner Pädagogen Philipp Emanuel von Fellenberg
Büste des Berner Pädagogen Philipp Emanuel von Fellenberg

Berühmte Pädagogen wie der Schweizer Johann Jacob Wehrli (1790-1855) oder der schwäbische Pädagoge Carl August Zeller, ein Anhänger Pestalozzis, waren viele Jahre in Hofwyl und unterstützten die pädagogischen Arbeiten Fellenbergs. Ganz im Sinne der Erneuerung des Bildungswesens, die an den Prinzipien der Aufklärung und der französischen Revolution orientiert war, sollte auch die arme Landbevölkerung von der schulischen Erziehung profitieren und Kinder zu einer gewissen weltlichen Mündigkeit angeregt werden. Da weder die Helvetische Republik, noch die ab 1815 eintretende Restauration Gesetzesgrundlagen zur Erneuerung der Volksschulen und der Lehrerbildung zustande brachten, blieben die Institutionen von Hofwyl bis zur liberalen Berner Kantonsverfassung von 1831 eine wegbereitende Bildungsoase im Privatbesitz Fellenbergs.

Von der Lehrerbildung zum Gymnasium Hofwil

Dank der neuen liberalen Kantonsverfassung Berns von 1831 wurde 1833 in Münchenbuchsee ein deutschsprachiges, staatliches Lehrerseminar eröffnet, die Landschullehrer ausbilden sollte. 1884 zog das Lehrerseminar ins Grosse Haus in Hofwil um, nachdem der Kanton Bern dieses grossartige Gebäude erworben hatte. Dieses historische Gebäude wurde 1821 für die Schule der Söhne höherer Stände gebaut und ist heute das Hauptgebäude des Gymnasiums Hofwil.

Das Schloss Hofwil gleich neben dem Gymnasium.
Das Schloss Hofwil gleich neben dem Gymnasium.

Da die Räumlichkeiten bald zu klein wurden, zog 1905 das Oberseminar nach Bern um. Nach einer Reform des Lehrerseminars in den 1970er-Jahren folgte 1997 die Umwandlung in ein Gymnasium mit musisch-pädagogischen Schwerpunkten.  

Heute verfügt das Gymnasium Hofwil nicht nur über eine wertvolle historische Vergangenheit und prächtigen Gebäuden, sondern auch über eine riesige Grünfläche. Unter denkmalschützerischem Aspekt wurde die Umgebung von unserem landschaftsarchitektonischen Büro aufgewertet. 

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