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Die vielfältigen Facetten des Urban Gardening

Den städtischen Gartenbau gibt es so lange, wie es Städte überhaupt gibt. Als „urban gardening“ erlebt das bis vor wenigen Jahren über lange Zeit eher als bünzlig geltende Hobby aber eine erstaunliche Renaissance.

Die zunehmende Urbanisierung der Welt

Seit den 2’000er Jahren leben erstmals weltweit mehr Menschen in Städten als auf dem Land. Seit jeher war es der Wunsch nach Sicherheit, Wohlstand und Freiheit, der Menschen vom Land in die Städte zog.

In Europa war v.a. um 1’000 n. Chr. eine Zeit der Stadtgründungen; zur eigentlichen Verstädterung – der vermehrten Abwanderung der Landbevölkerung in die Städte – kam es hier aber erst während der Industrialisierung im 19. Jahrhundert. In vielen Städten gab es dabei eine regelrechte Bevölkerungsexplosion. Lebten z.B. in der Stadt Zürich bis 1880 etwa 30’000 Einwohner, so stieg deren Zahl bis 1950 auf fast 450’000.

Die Terrassengärten vor dem Béatrice-von-Wattenwyl-Haus in Bern
Die Terrassengärten vor dem Béatrice-von-Wattenwyl-Haus in Bern

Die Veränderung des urbanen Gardenbaus im Laufe der Zeit

Mit den Bewohnern kam auch der Gartenbau in die Städte – die Selbstversorgung mit Gemüse und Kräutern war essentiell zum Erhalt der Familien und in den Anfängen bei weitem kein Hobby. In Bern gibt es seit der Stadtgründung die Terrassengärten oberhalb der Aare. Gut besonnt und durch die Sandsteinmauern klimatisch hervorragend geeignet, werden hier von Radiesli über Kartoffeln, Wein und Zucchetti mittlerweile auch viele Beerenfrüchte und Obst geerntet.

In Krisenzeiten spitzte sich der Anbau in den Städten zu, so beispielsweise 1940 mit dem Plan Wahlen (in der Bevölkerung „Anbauschlacht“ genannt), wo die Schweiz – umzingelt von Achsenmächten und Krieg – zum Lebensmittelanbau auf sämtlichen zur Verfügung stehenden Flächen aufrief um eine Lebensmittelknappheit abzuwenden. Öffentliche Parks, Sportplätze und jedes Fleckchen Grünfläche der Städte wurde zu Äckern und Beeten umgewandelt. 

Urban Gardening heute

Damals eher psychologisch wichtig nach dem Motto „Jeder kann und sollte etwas tun“ – drängt es die städtische Bevölkerung momentan völlig ohne Versorgungsnot zurück mit den Händen in die Gartenerde. 

Es fühlt sich gut an, dieses Element zu spüren und zu erleben, wie man selbst Gemüse, Blumen, Kräuter ansät, giesst, beim Wachsen beobachtet, vor Frassfeinden schützt, um später stolz ein feines Mahl damit zu bereiten. Es bringt den Menschen zurück zu seinen Wurzeln – es erdet ihn in einer eher hektischen Zeit.

Urban Gardening vor der Markuskirche in Bern
Urban Gardening vor der Markuskirche in Bern

Die gärtnerische Nutzung von meist kleinräumigen städtischen Flächen dient heutzutage also vordergründig der Erholung, der Selbstversorgung für den bewussten Konsum von Lebensmitteln und dem pädagogischen Aspekt. Wie ein Rübli wächst, dass eine Gurke nicht am Baum hängt und dass es vielfältiges Leben im Boden und auf den Pflanzen gibt, muss man sehen, spüren und erfahren, um es zu verinnerlichen. Natur und Lebenszyklen erlebbar machen ist eine wichtige Seite des Gärtnerns, denn nur was man liebt, schützt man.

Wahrscheinlich werden auch aus diesem Gedanken zunehmend Projekte öffentlich gefördert, die zum Gärtnern animieren. Der Raum für Privatgärten ist knapp in den weiter wachsenden Städten und somit gibt es mittlerweile auch Nachbarschafts- und Gemeinschaftsgärten oder Hochbeete in halböffentlichen und öffentlichen Bereichen. 

Damit erweitert sich der Nutzen des Gärtnerns um den sozialen Aspekt – Gemeinschaft wird gepflegt, Begegnungen angeregt, das Miteinander von jung und betagt, alteingesessen und hinzugezogen gefördert. Kürbiszüchter und Kiwiliebhaber lernen von- und miteinander.

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